Optimistisch hatte die Stadtverwaltung Ende September jene Bestimmungen aufgenommen, die der Freistaat Sachsen zur Durchführung von Weihnachtsmärkten veröffentlicht hat. Unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes sollte der Bautzener Wenzelsmarkt auf dem Schützenplatz stattfinden. Inzwischen hat sich die Corona-Situation im Landkreis Bautzen verschärft, weshalb das Gesundheitsamt deutlich strengere Auflagen erteilt hat als im September absehbar war. Deshalb entschied die Stadtverwaltung heute nach einer Absprache mit Vertretern der Händler: Unter diesen Bedingungen kann der Bautzener Wenzelsmarkt nicht stattfinden.

„Wir haben die vergangenen Monate genutzt, um die möglichen Risiken und den zu erwartenden Nutzen sorgfältig abzuwiegen und bis zuletzt an der Planung des Wenzelsmarktes festgehalten. Nachdem wir uns in den vergangenen Tagen intensiv mit dem Gesundheitsamt über das aktuelle Infektionsgeschehen ausgetauscht haben, müssen wir uns jedoch eingestehen, dass wir die verschärften Hygieneauflagen nicht erfüllen können“, begründet Oberbürgermeister Alexander Ahrens die schwierige Entscheidung.

Ende September hatte die Stadtverwaltung bekanntgegeben, dass der 637. Bautzener Wenzelsmarkt auf dem Schützenplatz stattfinden soll. Nach ausgiebiger Prüfung verschiedener Optionen hatte sich dies als die einzige Möglichkeit erwiesen, den Weihnachtsmarkt überhaupt durchführen zu können. Denn nur Bautzens größter Veranstaltungsplatz hätte genügend Platz geboten, um alle Händler und Gastronomen mit genügend Abstand unterzubringen. Zudem verfügt der Veranstaltungsort über die nötige Infrastruktur – und auch die Besucherströme hätten sich auf dem Gelände gut kontrollieren lassen. Ein umfangreiches Gesundheitskonzept hatten die Organisatoren bereits im September beim Gesundheitsamt eingereicht.

Wie sich im Pandemie-Jahr 2020 wiederholt gezeigt hat, haben viele Entscheidungen nicht lange Bestand. Leider gilt dies nun auch für den Wenzelsmarkt. Nachdem die Infektionszahlen im Landkreis Bautzen die Grenze von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (im Zeitraum von sieben Tagen) überschritten haben, musste das Gesundheitsamt das eingereichte Hygienekonzept besonders kritisch prüfen – und trat mit entsprechend restriktiven Auflagen an die Stadtverwaltung heran. In den vergangenen Tagen standen Stadtverwaltung und Landratsamt dazu im ständigen Austausch. Zu einer Gesprächsrunde mit Händlern und Gastronomen des Wenzelsmarktes, die am 12. Oktober im Rathaus stattfand, lagen alle Fakten auf dem Tisch.

So forderte das Gesundheitsamt neben der Einrichtung eines Einbahnstraßensystems, das Sicherheitspersonal deutlich aufzustocken. Dieses solle nicht nur an den Ein- und Ausgängen das Markttreiben im Blick behalten, sondern auf dem gesamten Gelände prüfen, ob die Besucher die geforderten Mindestabstände zu jedem Zeitpunkt einhalten. Erschwerend käme hinzu, dass an jedem Stand, der Speisen oder Getränke verkauft, eine elektronische Kontaktverfolgung einzurichten wäre. Entsprechende technische Voraussetzungen müssten kurzfristig geschaffen werden.

Selbst diese Maßnahmen würden die Organisatoren und Händler nicht vor einem erheblichen Restrisiko schützen: Das Gesundheitsamt wies darauf hin, dass der Wenzelsmarkt jederzeit geschlossen werden könnte, falls während des Veranstaltungszeitraumes die Infektionszahlen weiter so sprunghaft anstiegen wie zuletzt.

Unter diesen Umständen den Bedarf an Personal und Waren zu planen, wäre für die Händler und Gastronomen eine enorme Herausforderung. Nicht nur sie müssten sich unter den aktuellen Bedingungen einem großen finanziellen Risiko aussetzen. Auch die Stadtverwaltung, als Organisatorin der Veranstaltung, müsste mit Mehrkosten in Höhe von ca. 150.000 Euro rechnen. Diese würden unter anderem für die unausweichliche Umzäunung des Geländes, zusätzliche Sicherheitskräfte und elektronische Systeme zur Nachverfolgung anfallen.

Stadtverwaltung und Händler halten die Absage daher für alternativlos. „Wir setzen alles daran, trotz der widrigen Umstände eine stimmungsvolle Atmosphäre im Advent zu schaffen“, verspricht Andreas Hennig vom Kulturbüro der Stadt Bautzen. Neben dem großen Weihnachtsbaum, der traditionell auf dem Hauptmarkt aufgestellt wird, wird auch der Kreisverkehr Schliebenstraße wieder im Licht zahlreicher Herrnhuter Sterne erleuchten. Eine kreative Überraschung wird es auf der Reichenstraße geben. Bautzener Kinder gestalten farbenfroh-leuchtende Kugeln, die in der Fußgängerzone für weihnachtliche Atmosphäre sorgen werden.

Zu Geschichte und Namen des Bautzener Wenzelsmarktes

Bautzen – der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands

Wie verschiedene Chroniken berichten, verlieh König Wenzel IV. im Jahr 1384 der Stadt Budissin das Recht zur Abhaltung eines freien Fleischmarktes. Vom St. Michaelistag an war es sonnabends jedem Fleischer erlaubt, sein Fleisch öffentlich auf dem Markt zu verkaufen. Das Recht dieses Fleischverkaufes hatten die Fleischer bis Weihnachten.

Im Jahr 1402 wurden alle bisherigen Märkte der Stadt durch ein Gebot von König Wenzel IV. unter besonderen Schutz gestellt und weitere Märkte verboten. Diese Verordnung wurde 1505 durch König Wladislaus mit einer Urkunde bestätigt und damit auch der freie Fleischmarkt, wie er in Budissin „seit alters über hundert Jahre lang und weit über Menschen Gedenken gehalten“ wurde. Auch dies spricht für das Jahr 1384.

König Wenzel IV. (1361–1419)

Wie sein Vater engagierte sich Wenzel IV. stärker als seine Nachfolger in der Oberlausitz, beide reisten mehrfach in die Region. Wenzel soll als Prinz sogar einige Zeit auf der Ortenburg gelebt haben. Unter seinem Schutz und seiner Gunst blühte Bautzen immer mehr auf. Wenzel verlieh der Stadt den ersten Jahrmarkt, die Verwaltung wurde unter dem böhmischen Herrscher modernisiert und transparenter gestaltet. Der Monarch stützte seine Macht stärker als seine Vorgänger auf den niederen Adel und die Bürger der Städte.

Nach längeren Handwerkerunruhen verlieh Wenzel IV. Bautzen 1391 eine neue Ratsordnung, nach der auch die Handwerker im Rat vertreten waren. Ein nach dem neuen Recht gewählter Rat wurde 1405 jedoch durch einen von den Tuchmachern geführten Aufstand abgesetzt. Nachdem auch in Görlitz ein ähnlicher Aufstand mit der Enthauptung der Anführer endete, stellte auch König Wenzel IV. in Bautzen 1408 auf diese in seiner Zeit üblichen Weise Recht und Ordnung wieder her.